3. Veranstaltung Zukunftssalon in der Seidlvilla München


Gestern fand unsere dritte Veranstaltung Zukunftssalon Planet Proofed in der Seidlvilla/München statt. Es gab exzellente Impulse von Maren Kohaus (sustainable architecture GmbH, TU München, TH Rosenheim, klimawende.planen e.V.), Cornelia Jacobsen (Leiterin Arbeitskreis nachhaltige Quartiersentwicklung im Münchner Forum) und Datty Ruth (CEO Smarter Habitat). Eine sehr gelungene Mischung zwischen innovativen Lösungskonzepten und unternehmerischer Praxis. Frau Kohaus hob die Rolle von ArchitektInnenen bei der Lösung der planetarischen Herausforderungen hervor: 40% der Treibhausgase entstehen im Gebäudesektor, er verursacht global 60% des Abfalls, verbraucht 40% der Energie und treibt die Versiegelung der Flächen (während der letzten 60 Jahre hat sich die Siedlungs-/Verkehrsfläche in Deutschland mehr als verdoppelt). Gleichzeitig bildet der Gebäudesektor die Grundlage für ein funktionierendes, soziales Zusammenleben. Lösungsmöglichkeiten zeigte Frau Kohaus an praktischen Architekturprojekten „zirkuläres Planen und Bauen“ und „Bauen mit Rezyklaten“ auf. Frau Jacobsen führte anschließend die wichtige Funktion der nachhaltigen Quartiersentwicklung am Beispiel München aus. Herausforderungen sind die Reduktion des Energiebedarfs, Anpassung an den Klimawandel, bezahlbares Wohnen, Minimierung des Flächenverbrauchs sowie der Umgang mit Leerstand. Wichtig bei der Quartiersentwicklung sind: mehr Teilhabe, mehr Vielfalt/Nutzungsmischung, mehr Mut (zur Lücke), mehr Grün, weniger Autos, weniger Energieverbrauch, mehr Einmaligkeit, mehr Teilen. Herr Ruth stellte seinen unternehmerischen Ansatz vor, welcher mit natürlichen, nachwachsenden Baumaterialien bezahlbares und nachhaltiges Wohnen für den wachsenden, weltweiten Bedarf herstellen will. Seine Firma entwickelt gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut und der Uni Göttingen Baumaterialien aus Hanf, Flachs und Mais (Popcorn zur Dämmung). Dies bindet nicht nur CO2 aus der Luft (schnell nachwachsende Rohstoffe) sondern geht auch nach Nutzung in den natürlichen Kreislauf (kompostierbar) zurück. Dieses Jahr werden Produktionskapazitäten aufgebaut und ein Lizenz-/Franchise-Konzept für den Vertrieb aufgebaut.

Nach den inspirierenden Impulsvorträgen ging es anschließend in die Podiumsdiskussion. Zentrale Themen waren die Rolle von ArchitekInnen im Wandel, Hinterfragung von Normen (DIN etc.) sowie die Nutzung der Gestaltungsfreiheit: Thema neue Gebäudeklasse „E“ für Experiment um die Herausforderungen der Zukunft zu lösen. Stark diskutiert wurde der wachsende Flächen-/Raumbedarf fürs Wohnen. Das Thema Teilen ist ein wichtiger Lösungsbestandteil: Teilen von Gemeinschaftsfläche am Beispiel Gemeinschaftsräumen mit angeschlossenen Tiny-Häusern oder Tauschen von Wohnungen nach Lebenssituation (Single, Familien, Pensionär). Auch eine Verdichtung im Innenstadtbereich vs. der Nutzung von Leerstand im ländlichen Raum (unterstützt durch den Homeoffice-Trend) wurde intensiv diskutiert. Hier wird viel Potenzial mit der Umnutzung von bestehenden Gebäuden inkl. der Verwendung von nachhaltigen, natürlichem Baummaterialien gesehen. Eine Erkenntnis ist die Einbindung der Bauträger als kritischer Erfolgsfaktor. Beobachtet wird, dass öffentliche Bauträger und Genossenschaften wesentlich innovativer an neue Herausforderungen herangehen als private Bauträger. Vielleicht ein Thema für einen weiteren Zukunftssalon. Hinweis: unser nächster Zukunftssalon findet am 22.9. in der Seidlvilla München zum Thema nachhaltiges Reisen statt. Herzliche Einladung.

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