In Glasgow war der Wald das große Thema. Wie sieht sein Einfluss auf die Klimakrise aus?



Auf der Weltklimakonferenz in Glasgow haben sich mehr als 100 Staats- und Regierungschefs zum verstärkten Kampf gegen die Vernichtung der Wälder verpflichtet. Die Zerstörung der Wälder durch Abholzung soll bis 2030 gestoppt werden. Die beteiligten Staaten, darunter auch Brasilien und Russland, sind zusammen für mehr als 86 % der globalen Waldfläche verantwortlich. Hierfür sind aus öffentlicher Hand finanzielle Mittel von rund 12 Mrd. USD vorgesehen und von privater Seite werden zusätzlich 7,2 Mrd. USD beigesteuert. Die Initiative beinhaltet jedoch keine verbindlichen Ziele und Maßnahmen und wird daher von Umweltorganisationen wie dem WWF kritisch gesehen: „Unsere Wälder verschwinden in alarmierendem Tempo. Dabei liegt ihr Schutz im ureigensten Interesse der Menschheit. Nur mit einem internationalen Kraftakt können wir die aktuelle Ära der Naturzerstörung stoppen. „Die Ankündigung der Staats- und Regierungschefs zeigt in die richtige Richtung, droht jedoch zu verpuffen, wenn sie nicht zügig mit verbindlichen Abkommen abgesichert wird“, betont Dr. Susanne Winter, Programmleiterin Wald beim WWF Deutschland. Bereits im Jahr 2014 kündigten Teilnehmer des UN-Klimagipfels in New York innerhalb des „New York Declaration on Forests (NYDF)“ an, die Entwaldung deutlich aufzuhalten. Das erklärte Ziel war die Abholzung von Wäldern bis 2030 zu stoppen. In einem Zwischenschritt sollte bis zum Jahr 2020 der Verlust der Waldfläche halbiert werden. Das Ziel wurde laut dem Global Forest Resources Assessment 2020 deutlich verfehlt.


Unsere Erde ist mit einem Anteil von 71% mit Wasser bedeckt, 29% der Erdoberfläche besteht aus Landmasse. 31% der Landfläche ist mit Wald bedeckt, dies entspricht einer Größe von ca. 4 Milliarden ha. Die größten Waldflächen liegen in den fünf Ländern Russland, Brasilien, Kanada, USA und China. Diese fünf Länder machen einen Anteil von 54% der gesamten Waldfläche aus. Die tropischen Wälder dominieren den Bestand mit einem Anteil von 45%. Die Waldfläche schrumpft global. Seit 1990 gingen 178 Millionen ha Waldfläche verloren. Die Geschwindigkeit der Entwaldung geht jedoch langsam zurück. Lag der Rückgang zwischen 1990 und 2000 noch bei 7,8 Millionen ha pro Jahr, waren es zwischen 2010 und 2020 noch 4,7 Millionen ha. Deutschland ist eines der waldreichen Länder der Europäischen Union mit einer Waldfläche von 11,4 Millionen ha. Rund 32% der Gesamtfläche sind mit Wald bedeckt, nur die Landwirtschaft nimmt mit einem Anteil von 52% eine größere Fläche ein. Die Entwicklung der Waldfläche ist in Deutschland konstant bis leicht steigend. Grund dafür ist die intensive Bewirtschaftung der Flächen. Die häufigsten Baumarten sind Fichte (25%) und Kiefer (23%). Durch die Dürre und den Käferbefall hat sich der Zustand des Waldes in Deutschland deutlich verschlechtert. Die Vitalität, gemessen an der Kronenverlichtung und Absterberate, ist deutlich gesunken. Die Ergebnisse der letzten Waldzustandserhebung 2020 gehören zu den schlechtesten seit Beginn der Erhebungen 1984. Land und Meere gelten als Kohlenstoffspeicher. So sind in Boden und Pflanzen ca. 2.000 Gigatonnen und im Meer ca. 39.000 Gigatonnen CO2 gebunden. Zum Vergleich: in der Atmosphäre sind derzeit ca. 750 Gigatonnen CO2 gespeichert und in fossilen Energien unterhalb der Erde noch 4.000 Gigatonnen CO2. Die CO2-Bindung verläuft in einem Kreislauf und ist kein starrer Prozess. An Land beispielsweise nimmt die Vegetation CO2 durch Photosynthese auf und wandelt es in organisches Material um. Ein Teil dieses Kohlenstoffs kehrt durch die Atmung der Pflanzen sofort als CO2 in die Atmosphäre zurück. Den Rest nutzen die Pflanzen für ihr Wachstum. Totes pflanzliches Material (Humus) wird in die Böden eingebunden, um schließlich von Mikroorganismen abgebaut und dann über deren Atmung als CO2 zurück in die Atmosphäre abgegeben zu werden. Einen deutlichen Einfluss auf das Klima hat die Veränderung des Ecosystems. So führen Bodenerosionen, Humusverlust und Entwaldung zu einem deutlichen Anstieg von CO2 in der Atmosphäre, wogegen Humusaufbau im Boden und Pflanzung neuer Wälder zur Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre führen. In Wäldern befinden sich 50% des gebundenen CO2 in den Bäumen (lebende Biomasse) und 50% im Waldboden (tote Biomasse).


Wälder gelten als die Lunge der Erde und sind ein wichtiger Baustein gegen den Klimawandel. In Deutschland ist neben der Aufforstung auch der Waldzustand in puncto Klima-Resilienz ein großes Thema. Daher ergeben sich mehrere Handlungsfelder: Aufforstung, nachhaltige Waldbewirtschaftung und Reduzierung der Emissionen entlang des gesamten Lebenszyklus. In Deutschland wird ein Großteil des Waldes privat und öffentlich bewirtschaftet (im Gegensatz zu tropischen Wäldern). Nachhaltige Geschäftsmodelle in der Fortwirtschaft (Climate-Smart Forestry) können einen positiven Einfluss auf das Klima erzielen. Dazu braucht es Klimastandards, um die nachhaltige Forstwirtschaft durch Zertifikate zu belohnen bzw. zu intensivieren. Ein Standard legt zum Beispiel die Methoden fest, um die Netto-CO2-Bindung in Wäldern zu berechnen. Ein Auditor (Zertifizierer) arbeitet mit den anerkannten Standards im Zertifizierungsprozess, der einmal (bei der Initialzertifzierung) und regelmäßig zu bestimmten Zeitpunkten durchgeführt wird. Internationale Klimastandards sind eher für Entwicklungsländer konzipiert worden (vgl. WWF Goldstandard) und nur bedingt auf die deutschen Gegebenheiten anwendbar. Die Ecosystem Value Association (EVA) entwickelt und vermarktet aktuell einen Wald-Klimastandard für Deutschland. Die Anerkennung erfolgt durch den deutschen Wald-Klimarat (mit Vertretern der Waldbesitzer, Wissenschaft und Politik), der Ende September 2021 das erste Mal zusammentrat, um an der Entwicklung der “Mindestanforderungen eines Wald-Klimastandards für freiwillige Klimazertifikate in Deutschland” zu arbeiten. Im Dialog soll bis 2022 Deutschlands erster Wald-Klimastandard entstehen. Bis 2022 fokussiert sich der Wald-Klimarat auf den Scope „Wiederaufforstung von durch den Klimawandel entwaldeten Flächen in Deutschland“. Ein neues, nachhaltiges Geschäftsmodell entsteht und trägt zur Lösung des Klimawandels bei.


Der Verein „The Future Circle - rethinking the economy, healing planet earth e.V.” ist eine global agierende und kollaborative Vereinigung, die sich im Dienste der Menschheit für ein enkeltaugliches Wirtschaften einsetzt. Wir begeistern und befähigen Unternehmen sowie Organisationen, nachhaltig erfolgreiche Geschäftsmodelle mit einer positiven Wirkung auf unseren Planeten und unsere Gesellschaft im Sinne zukünftiger Generationen zu etablieren und aktiv zu leben. Gegründet im Jahr 2020 engagieren sich erfahrene Manager, Geschäftsführer, Berater und Wissenschaftler in Projekten, Veranstaltungen und Veröffentlichungen für einen neuen Denkansatz.


Quellen: New York Declaration on Forests, Global Forest Resources Assessment 2020, Bundeswaldinventur und Waldentwicklungs- und Holzaufkommensmodellierung 2014, Waldzustandserhebung 2020; Forest Products Division (FAO), Deutsches Klima Konsortium

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