Konsequenz der industriellen Landwirtschaft: Niedrige Ernteerträge das vierte Jahr in Folge.


Nach den Trockenjahren 2018 bis 2020 sinken nun auch im Jahr 2021 die Ernteerträge. Laut dem Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft werden für 2021 rückläufige Erträge erwartet. Die aktuelle Getreideernte wird mit 42 Mio. Tonnen beziffert, was einem Rückgang gegenüber 2020 um 3% entspricht. Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2020 sinken die Erträge um 5%. Der Rückgang ist auf Trockenschäden (in einigen Regionen wie z.B. Brandenburg) sowie Starkregen und Überflutungen zurückzuführen. In den Vorjahren 2018 bis 2020 war es hauptsächlich der Trockenstress, der die Pflanzen im Wachstum einschränkte. So lag die Jahresmitteltemperatur 2018 bei 10,5 Grad, 2019 bei 10,3 Grad und 2020 bei 10,4 Grad. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Jahresmitteltemperatur in der Referenzperiode 1961 bis 1990 lag bei 8,2 Grad. Temperaturanstieg gepaart mit geringen Niederschlagsmengen (vgl. 2020: 10% unter Normal) führt zu Dürren, die das Ertragspotenzial senken.


Die Klimaerwärmung belastet die Zukunft der Landwirtschaft. Doch das eigentliche Problem liegt in der Art und Weise wie konventionelle Betriebe arbeiten. Häufig steht nur die Pflanze, mit ihrem Nährstoffbedarf (Düngung) und Pflege (Pflanzenschutz) im Mittelpunkt. Die Fruchtbarkeit des Bodens wird selten betrachtet. So speichert ein vitaler Boden mit vielen Mikroorganismen und Humus nicht nur Wasser für Trockenperioden, sondern auch CO2 aus der Atmosphäre. Ein humusarmer, verdichteter Boden hingegen nimmt wenig Wasser auf und führt zu Bodenerosionen. Das Oberflächenwasser schwemmt die Bodenschichten ab. Das Resultat ist eine rückläufige Bodenfruchtbarkeit, die mehr Düngung notwendig macht und anfälliger für Trockenperioden ist.


Dieser Herausforderung versucht die regenerative Landwirtschaft zu begegnen. Sie erhöht die Bodenfruchtbarkeit durch gezielten Biomasse-Zufuhr, ersetzt Monokulturen durch Dauerkulturen und praktiziert Anbauverfahren, die einen Humusaufbau fördern. Neben langfristig stabileren Erträgen, ermöglicht die regenerative Landwirtschaft auch den Verkauf von CO2-Zertifikaten. Der Humusaufbau im Boden bindet CO2 aus der Luft. Dies wird als Kompensation für CO2-Emittenten (Industrie) angeboten. Firmen wie Indigo aus den USA oder CarboCert und Positerra in Deutschland erstellen und vermitteln diese Zertifikate auf dem bisher noch kleinen, unregulierten Markt. Sollte sich dieser zu einem regulierten Markt - wie ursprünglich von Frankreich auf der Pariser Klimakonferenz vorgeschlagen - entwickeln, kann die Nachfrage deutlich steigen. Experten gehen davon aus, dass durch den Humusaufbau im Boden ca. 1/3 der weltweiten CO2-Emissionen gebunden werden kann. Bio-Betriebe praktizieren bereits heute eine regenerative Landwirtschaft. Mit einem Anteil von 10% gemessen an der Gesamtfläche sind sie immer noch ein „Nischenplayer“. Dabei bietet die integrierte Wertschöpfung auch wirtschaftliche Vorteile. Neben den Einnahmen aus den CO2-Zetrifikaten (Humusaufbau) ist die eigene Herstellung von natürlichem Dünger (Pflanzensubstrate) und Saatgut günstiger als der Zukauf von Mineraldünger, der eine hohe Energiemenge zur Herstellung benötigt. Aktuell steigen die Preise für Mineraldünger deutlich aufgrund der hohen Energiepreise.


Quellen Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft (Erntebericht 2021, ökologischer Landbau), Deutscher Wetterdienst, C&EN: Carbon farming gets off the ground

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